Mit dem Herz einer Genossenschaft

Unabhängig, selbstbestimmt und gemeinschaftlich verbunden: ­Obmann Norbert Steiner sah es an der Zeit, bei Alpenland die ­Werte einer Genossenschaft wieder ins Zentrum zu rücken. Nach drei Jahren intensiven organisatorischen und kulturellen Wandels sieht er dabei vieles erreicht und noch vieles erreichbar.

Obmann DI Norbert Steiner im Interview:

Herr Steiner, Sie haben 2013 Ihre Obmannschaft bei Alpenland angetreten. Was macht die Alpenland 2017 aus? Wir arbeiten heute weniger politikgetrieben, sondern marktorientierter. Als Genossenschaft „gehören wir uns selbst“: Auf diese Selbst­bestimmtheit haben wir uns zurückbesonnen. Wenn wir heute ein Projekt realisieren, dann deswegen, weil wir Marktchancen sehen und weil wir es damit gemeinschaftlich verant­worten können.

Wie bildet sich dieser unternehmerische ­Ansatz heute bei Alpenland ab? Wir bauen fokussiert im städtischen und stadtnahen Bereich. Speziell mit unseren Töchtern Kamptal, Terra und NÖSTA bleiben wir aber auch in ländlichen Regionen weiterhin engagiert. Wir haben die Bereichsleiter gestärkt, mit der Projekt-​entwicklung und dem Baumanagement ­zentrale Leistungen wieder selbst in die Hand genommen und damit an Managementfähigkeit gewonnen. Und wir profitieren heute von einer hochgradig professionellen Projektfinanzierung und einem sehr engagierten Vertrieb im Haus. In der Hausverwaltung ist eine stark digital unterstützte Qualitätsoffensive im Anlaufen.

Wie antwortet Alpenland auf die veränderten Wohnansprüche und Rahmenbedingungen ­einer Gesellschaft, die mobiler und vielfältiger geworden ist? Wir bleiben eine Bastion des Eigentumgedankens, definieren aber unsere traditionelle ­Stärke im Familienwohnen neu. Mit dem Wandel der gesellschaftlichen Strukturen sehen wir, dass die Nachfrage nach großen Wohnungen sinkt. Heute entwickeln wir Zwei- oder Dreizimmerwohnungen, die auch für eine alleinerziehende Mutter funktionell und leistbar sind. Und wir setzen heute spezifische Fördermodelle marktgerecht in neue Wohnformen für Junge oder ­Ältere um.

Mit den Gemeinden als engagierten Partnern im Wohnbau? Manche Gemeinden haben erkannt, dass Stillstand Rückschritt wäre. Die anderen versuchen wir zu überzeugen: An einer mutigen Widmungs- und Baupolitik führt kein Weg vorbei, wenn es um die Zukunftsfähigkeit in den ­Gemeinden geht.

Welchen Stellenwert sehen Sie für den gemeinnützigen Wohnbau künftig in Niederösterreich – und welche kritischen Herausforderungen? In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierungen und Spannungen werden wir für unser Modell des gemeinnützigen Wohnbaus interna­tional beneidet. Wir brauchen ihn auch in Zukunft dringend. Entscheidend wird sein, dass wir dabei das ursprüngliche Ziel im Auge behalten: nicht besser und teurer zu bauen als der freifinanzierte Sektor, sondern leistbarer. Das beginnende Umdenken in der Politik im Hinblick auf überzogene Normen und technische Standards stimmt mich zuversichtlich.

Kann das Wirken des langjährigen Obmanns und „Grandseigneurs“ bei Alpenland Siegfried Ludwig weiterhin als Maßstab dienen? Das kann es. Siegfried Ludwig hat mich noch persönlich für diese Aufgabe berufen. Darauf bin ich stolz. Ich meine, sagen zu können: Was wir ­heute bei Alpenland machen, tun wir auf unsere Art, aber durch und durch in seinem Geist.